
Narvik ist eine Industriestadt und sieht auch so aus. Wir waren trotzdem zweimal dort, weil kaum ein anderer Ort in Nordnorwegen so viel Landschaft in so kurzer Reichweite hat — und weil es die halbe Miete von Tromsø kostet.
Unter uns liegt die Stadt, dahinter der Ofotfjord, und ein Frachtschiff schiebt sich langsam Richtung Erzverladung. Die Gipfel gegenüber leuchten rosa, weil die Sonne Ende November hier gar nicht richtig hochkommt, sondern den halben Tag über den Horizont schleift.
Wir sind mit der Seilbahn hoch, die praktisch im Stadtgebiet startet. Zwanzig Minuten von der Haustür bis zu diesem Blick. Das ist der Grund, warum wir wiedergekommen sind.

Vom Fjell aus liegt die ganze Region vor einem


Ehrlich gesagt: nicht viel. Narvik existiert wegen des Hafens, über den schwedisches Eisenerz verschifft wird, und das prägt den Ort. Es gibt eine Einkaufsstraße, ein paar Restaurants, das Kriegsmuseum, Supermärkte. Postkartenkulisse ist etwas anderes.
Wer eine hübsche norwegische Kleinstadt sucht, wird hier enttäuscht. Wer Versorgung braucht, ist bestens dran: Alles, was man für zwei Wochen Selbstversorgung benötigt, bekommt man vor Ort und zu normalen Preisen — nicht zu den Preisen, die Orte mit Tourismus aufrufen.
Wir haben in beiden Aufenthalten nicht in der Stadt gewohnt, sondern in Seitentälern: einmal in Beisfjord, einmal in Elvegården im Skjomen. Beides zehn bis zwanzig Autominuten entfernt, beides deutlich ruhiger.
Narvik liegt an einer Stelle, an der mehrere Fjorde und Täler zusammenlaufen. Praktisch heißt das: Man hat sehr unterschiedliche Landschaften in kurzer Reichweite, ohne umzuziehen.
Der Ofotfjord liegt direkt vor der Tür. Das Skjomen mit seinen steilen Wänden ist eine halbe Stunde nach Süden. Der Polar Park bei Bardu ist gut fünfzig Kilometer nördlich, der Wasserfall Målselvfossen etwas weiter. Und die Hålogalandsbrücke, über die man kommt, ist selbst schon ein Grund anzuhalten.
Wir sind an den meisten Tagen unter dreißig Kilometer gefahren und hatten trotzdem jeden Tag etwas anderes.

Skjomen im Oktober — dieselbe Region, anderes Bild



Im November 2024 lag alles unter Schnee, es war zwischen neun und zwei hell, und die Polarlichter kamen mehrfach. Im Oktober 2025 waren die Hänge herbstlich gefärbt, die Fjorde spiegelglatt, und es gab noch richtige Tage.
Wenn wir wählen müssten: Der Herbst ist der bessere Kompromiss für Leute, die viel draußen sein wollen. Der November ist die stärkere Reise, wenn man Licht und Nordlichter sucht und bereit ist, den kurzen Tag zu akzeptieren.
Narvikfjellet gilt als eines der spektakulärsten Skigebiete Skandinaviens, weil die Abfahrten praktisch bis zum Fjord reichen. Wir sind mit der Seilbahn hochgefahren, aber nicht Ski gefahren — dazu können wir nichts sagen.
Ebenso wenig zur Mitternachtssonne oder zum Tauchen an den Wracks im Ofotfjord. Beides wird in jedem Narvik-Artikel erwähnt, wir waren nie im Sommer da.
Und die oft empfohlene Erzbahn nach Schweden mit dem Abstecher nach Abisko haben wir uns beide Male vorgenommen und beide Male gelassen. Sie steht weiter auf der Liste.
Als Ziel für sich genommen eher nicht. Als Basis für ein oder zwei Wochen Nordland ist es einer der praktischsten Orte, die wir kennen: gut erreichbar über Evenes, vollständig versorgt, günstiger als die bekannten Adressen, und mit mehr Landschaft in dreißig Autominuten, als man in einer Woche abfährt.
Wenn du Narvik als Ausgangspunkt für deine Reise nutzen möchtest, kannst du unseren Reiseplaner als Startpunkt nehmen.
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