
Wir schauen abends auf zwei Dinge: Wo ist eine Wolkenlücke, und ist überhaupt etwas los. Die erste Frage ist die wichtigere — ein starker Sturm hinter geschlossener Wolkendecke bringt gar nichts.
Nicht, um Nächte auszusortieren. Sondern um zu wissen, ob es sich lohnt, den Wecker auf halb elf zu stellen oder gleich in die Jacke zu steigen.
Wir gehen ohnehin an fast jedem Abend kurz vor die Tür — das ist der eigentliche Erfolgsfaktor. Die Apps sagen uns nur, ob wir länger draußen bleiben sollten und in welche Richtung wir schauen müssen.

Ventusky: Wolkenlücken über den nächsten Stunden



Ventusky zeigt Wetterkarten mit einem Zeitregler, und genau der ist der Punkt. Man sieht nicht nur, wie es jetzt aussieht, sondern wie sich die Bewölkung über den Abend verschiebt.
Der Unterschied zu einer normalen Wetter-App: Man kann die Wolkenschichten getrennt betrachten. Hohe Schleierwolken sind meistens kein Hindernis, durch die sieht man die Aurora noch. Tiefe Wolken sind das Ende. Eine App, die nur „bewölkt" sagt, vermischt beides und ist damit wertlos für diese Frage.
Wir schauen uns die Karte am Nachmittag einmal in Ruhe an, meist am Tablet, weil man auf dem großen Bild die Bewegung besser abschätzt. Wenn zwischen acht und elf eine Lücke über der Gegend liegt, ist der Abend ein Kandidat.
Diese App liefert KP-Index, Bz-Wert und Push-Meldungen. Sie ist die zweite Frage, nicht die erste.
Der KP-Index ist die bekanntere Zahl und wird überschätzt. Weit im Norden, wo wir unterwegs sind, reicht KP 2 oder 3 für sichtbare Bänder völlig aus — man liegt dort ohnehin unter dem Polarlichtoval. Wir haben mehrere unserer besten Nächte bei Werten gehabt, die in keiner Vorhersage nach etwas aussahen.
Der Bz-Wert ist der nützlichere: Steht er im Minus, kommen die Teilchen leichter durch. Steht er deutlich im Plus, passiert oft trotz hohem KP wenig.
Die Push-Meldungen haben wir an, aber sie sind eher Beiwerk. Bis eine Meldung kommt, ist man meistens schon draußen, wenn man abends ohnehin schaut.
Nachmittags einmal Ventusky, um zu sehen, ob der Abend überhaupt eine Chance hat. Wenn ja, gegen sieben ein kurzer Blick nach draußen — nicht auf die App, sondern nach oben. Dann etwa stündlich noch einmal, bis gegen elf.
Das klingt nach Aufwand und dauert insgesamt keine zehn Minuten am Abend. Die App ersetzt das Rausgehen nicht, sie sagt einem nur, wie oft es sich lohnt.
Sie sagen nichts über den Standort. Ob vor der Unterkunft ein Berg im Weg steht oder eine Straßenlaterne genau dorthin leuchtet, wo das Band aufgeht, steht in keiner Vorhersage. Das findet man tagsüber heraus, indem man sich die Umgebung anschaut und überlegt, wo man nachts stehen würde.
Und sie sagen nichts über Geduld. Die meisten unserer Nächte fingen mit einem blassen grauen Streifen an, den man leicht für eine Wolke hält. Wer dann reingeht, verpasst, was zwanzig Minuten später daraus wird.
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