
Ehrlich gesagt kennen wir Tromsø kaum. Ein halber Tag im September 2022, zweimal Flughafen im November 2024. Das reicht nicht für einen Stadtführer — aber für eine Einschätzung, wofür die Stadt für Leute wie uns taugt.
Der Himmel hängt tief über dem Fjord, und durch ein Loch in den Wolken fällt Licht auf die Hänge gegenüber. Wir stehen auf einem Felsblock am Wasser, hinter uns Gras, das schon herbstlich braun wird, ein Stück weiter ein rotes Bootshaus. Auf der anderen Seite des Fjords, klein und weit weg: Tromsø.
Das war unser erster Blick auf die Stadt, und bezeichnenderweise von außen. Wir hatten für den Abend nichts vor als das hier — ans Wasser, schauen, wieder zurück.

Das Licht kam nur für ein paar Minuten durch


Wer nach Nordnorwegen will, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit in Tromsø. Es ist der größte Flughafen der Region, mit Direktflügen aus Deutschland, und die Stadt ist auf Besucher eingestellt wie kein anderer Ort dort oben. Genau das ist der Grund, warum wir sie meiden.
Unsere Reisen funktionieren über Ferienhäuser am Fjord, Mietwagen und wenig Programm. Tromsø ist das Gegenteil: Hotels, geführte Touren, Preise, die sich an Kreuzfahrtgästen orientieren. Warum wir 2026 lieber nach Kokelv gefahren sind, steht in einem eigenen Artikel. Die Kurzfassung: Was wir suchen, gibt es außerhalb — und die Stadt ist der Ort, an dem man das Auto abholt.
Trotzdem war der halbe Tag 2022 nicht verschenkt.
Am 19. September, kurz nach elf, standen wir im Arktisch-Alpinen Botanischen Garten oben am Universitätscampus. Der Garten ist der nördlichste seiner Art, er kostet nichts, hat kein Tor und keine Öffnungszeiten — man geht einfach hinein.
Im September ist er in einem Zustand, den wir nicht erwartet hatten. Die Birken am Rand werden gelb, ein einzelner Strauch leuchtet so rot, dass er auf jedem Foto wie hineinretuschiert aussieht, und zwischen den Felsen und Kiesbeeten stehen Pflanzen aus Gebirgen der ganzen Welt, beschriftet und in Ruhe gelassen. Von den oberen Wegen aus sieht man über den Campus auf die Stadt und den Fjord.
Wir waren eine gute Stunde dort. Es war der Teil von Tromsø, der zu uns gepasst hat: draußen, kostenlos, kein Programm.

Der Strauch, der auf jedem Bild unecht aussieht



Zwei Jahre später kamen wir wieder nach Tromsø — und haben die Stadt beide Male nicht betreten. Am 6. November landeten wir kurz vor eins, holten den Mietwagen in der Tiefgarage des Flughafens und waren eine halbe Stunde später auf der Straße nach Süden, Richtung Ballangen. Es war schon dämmrig, es schneite leicht, und wir wollten vor dem Dunkelwerden so weit wie möglich kommen.
Am 28. November dasselbe rückwärts: Auto am Flughafen abgeben, über den Parkplatz auf den Fjord und die verschneiten Berge schauen, einchecken. Die zwei Bilder von diesem Tag sind die einzigen aus Tromsø im Winter, die wir haben. Sie zeigen, was wir gesehen haben — und das war der Blick vom Parkplatz.

6. November 2024, Anflug


Als Flughafen: sehr gut. Direktflug, Mietwagen im Haus, und in drei Stunden ist man in Nordland, in vier in der Finnmark.
Als Zwischenstopp für ein paar Stunden: der Botanische Garten und das Ufer auf der Kvaløya-Seite, beides ohne Eintritt und ohne Planung.
Als Reiseziel: dazu können wir nichts sagen. Wir haben die Eismeerkathedrale nie von innen gesehen, die Seilbahn nie genommen, im Zentrum nie gegessen. Wer das sucht, findet es in jedem anderen Tromsø-Artikel. Bei uns steht nur, warum wir jedes Mal weitergefahren sind — und dass es sich nicht wie ein Versäumnis anfühlt.
Tromsø ist ein guter Einstieg — wenn man weiterfährt. Unser Reiseplaner hilft bei den Etappen danach.
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