
Wir haben nie eine Nordlicht-Tour gebucht und in fünf Reisen trotzdem 36 Nächte mit Aurora gehabt. Das liegt nicht an Können, sondern daran, wo wir gewohnt haben.
Eine geführte Aurora-Jagd ab Tromsø liegt bei einem der etablierten Anbieter derzeit bei rund 1.950 Kronen pro Person, also etwa 170 Euro. Für zwei Personen an drei Abenden ist man damit bei über tausend Euro, nur für die Abende.
Dafür bekommt man einiges: einen Fahrer, der die Region kennt, einen Thermoanzug, heiße Getränke, meist Fotos vom Abend und bei manchen Anbietern eine Ermäßigung, falls nichts zu sehen war. Wer wenige Tage vor Ort ist und keinen Mietwagen hat, bekommt hier echten Gegenwert — die Guides fahren gezielt Wolkenlücken an, und das kann über hundert Kilometer bedeuten.
Wir haben in allen fünf Reisen einen Mietwagen gehabt, weil wir ohne ohnehin nirgendwo hinkommen. Und wir haben immer außerhalb gewohnt: in Ballangen am Hang über dem Fjord, in Beisfjord in einem Seitental, in Kokelv in einem Dorf mit vielleicht zwanzig Häusern.
Das heißt: Der dunkle Himmel war da, wo wir geschlafen haben. Wir mussten nie irgendwohin fahren, um die Aurora zu sehen. Bei allen 36 Nächten sind wir schlicht vor die Tür getreten.
Damit fällt der Hauptgrund für eine Tour weg. Man bucht sie ja nicht wegen des Guides, sondern weil man aus einer beleuchteten Stadt herauskommen muss.

Beisfjord — die Entfernung zur Haustür betrug etwa fünf Meter


Wer selbst jagen will, entscheidet das nicht vor Ort, sondern Monate vorher bei der Unterkunft. Drei Dinge haben sich für uns bewährt.
Erstens: außerhalb wohnen. Nicht im Ort, sondern ein paar Kilometer daneben. Das ist meistens auch günstiger.
Zweitens: auf der Karte nachsehen, wo Straßenlaternen stehen. Eine einzelne Laterne in Blickrichtung ruiniert den ganzen Vorgarten. Auf Satellitenbildern sieht man Straßenzüge, und wer bei der Vermietung nachfragt, bekommt oft eine ehrliche Antwort.
Drittens: freie Sicht nach Norden. Ein Berg direkt im Norden schneidet genau den Bereich ab, in dem die Bänder aufziehen. Ein Fjord oder ein See davor ist das Gegenteil: Er verdoppelt alles.
Wenn du in Tromsø im Hotel wohnst und drei Nächte Zeit hast, ist die Tour die bessere Wahl. Die Stadt ist zu hell, drei Nächte sind zu wenig für Zufall, und ein Guide, der die Wetterlage kennt, kann in dieser Situation den Unterschied machen.
Wenn du einen Mietwagen und eine Woche hast, ist der Aufwand kaum zu rechtfertigen. Was ein Guide besser kann, ist großräumig Wolkenlücken anfahren. Was du besser kannst, ist jeden Abend rausgehen.
Keinen Cent extra, aber ein paar Dutzend vergebliche Abende. Wir sind oft rausgegangen, haben zehn Minuten in einen bedeckten Himmel geschaut und sind wieder rein. Das gehört dazu, und niemand erwähnt es in den Reiseberichten.
Der Unterschied ist: Ein vergeblicher Abend vor der eigenen Tür kostet zehn Minuten. Ein vergeblicher Abend in einem Bus kostet 170 Euro und fünf Stunden.
Wenn du deine Polarlicht-Reise selbst organisieren möchtest, kannst du unseren Reiseplaner als Ausgangspunkt nutzen.
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