
Wir haben unsere Polarlichtfotos ausgezählt statt geschätzt: 36 Nächte über fünf Reisen. Die beste Quote hatten wir nicht im tiefsten Winter, sondern Ende Februar. Und fast alles passierte vor Mitternacht.
Jedes unserer Fotos hat einen Zeitstempel. Damit lässt sich nachzählen, in wie vielen Nächten wir tatsächlich Polarlicht vor der Linse hatten — nicht gefühlt, sondern belegt.
In Kokelv in der Finnmark waren es acht von vierzehn Nächten, Ende Februar bis Anfang März. In Nordland im November neun von achtzehn Nächten, verteilt auf Ballangen und Beisfjord. In Finnisch-Lappland im März sieben Nächte über gut drei Wochen. Auf Andørja und rund um Narvik im September und Oktober zusammen acht.
Das ergibt 36 Nächte. Wir sind in dieser Zeit nie mit einer Tour gefahren und haben nie mehr als ein paar Minuten Fußweg zurückgelegt.

Kuusamo, Mitte März


Wir hatten in jedem Monat Erfolg, in dem wir überhaupt oben waren: September, Oktober, November, Februar, März. Der oft genannte Kernwinter Dezember und Januar fehlt in unserer Statistik komplett — dort waren wir nie.
Die höchste Trefferquote hatten wir Ende Februar. Das widerspricht der verbreiteten Vorstellung, man müsse in die dunkelste Zeit reisen. Der Grund ist vermutlich banal: Ende Februar ist es abends dunkel genug, aber tagsüber schon hell genug, dass man nicht die ganze Reise im Dämmerlicht verbringt. Man ist wacher, geht öfter raus, gibt der Sache mehr Gelegenheiten.
Im September und Oktober funktioniert es ebenfalls, und die Bilder sehen anders aus: Aurora über herbstlich gefärbten Hängen statt über Schnee, und häufiger Spiegelungen, weil die Fjorde noch nicht gefroren sind.
Von 440 Polarlichtaufnahmen entstanden 427 zwischen 18 und 23 Uhr. Nach Mitternacht sind es dreizehn.
Die häufigste Stunde ist 22 Uhr, gefolgt von 21 Uhr. Aber auch 19 und 20 Uhr sind stark vertreten — im November ist es um sieben längst dunkel, und die Aurora hält sich nicht an eine Uhrzeit, zu der Touristen wach sind.
Ein ehrlicher Vorbehalt dazu: Diese Zahlen sagen, wann wir draußen waren, nicht wann die Aurora aktiv war. Nach Mitternacht lagen wir meist im Bett. Aber genau das ist die praktische Erkenntnis — man muss nicht durchmachen. Wer zwischen sieben und elf regelmäßig vor die Tür geht, deckt das Fenster ab, in dem bei uns praktisch alles passiert ist.

Beisfjord, kurz nach elf

Nicht der Monat und nicht die Uhrzeit, sondern zwei andere Dinge.
Das erste ist die Wolkendecke. Eine schwache Aurora bei klarem Himmel sieht man; ein starker geomagnetischer Sturm hinter geschlossener Decke bringt nichts. Wir schauen abends auf die Wolkenkarte, nicht auf den KP-Index.
Das zweite ist die Anzahl der Versuche. Über eine Woche verteilt hat man sieben Abende. Wer an fünf davon zweimal kurz rausgeht, kommt auf zehn Gelegenheiten. Wer nach zwei erfolglosen Abenden aufgibt, auf zwei. Unsere Quote von rund fünfzig Prozent der Nächte ist kein Glück, sondern das Ergebnis davon, dass wir eben oft rausgegangen sind — auch wenn es beim dritten Mal wieder nichts war.
Länger bleiben schlägt bessere Jahreszeit. Vier Nächte im vermeintlich optimalen Januar sind vier Würfe; zwei Wochen im Februar sind vierzehn. Wenn du die Wahl hast zwischen einer kurzen Reise im tiefsten Winter und einer langen in den Randmonaten, nimm die lange.
Wenn du eine Reise in die Aurora-Saison planen möchtest, kannst du unseren Reiseplaner als Ausgangspunkt nutzen.
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